| EINLEITUNG
Der Gebrauch von Vibratoren und Massagestäben,
als eine Quelle der sexuellen Stimulation, scheint Männern
wie Frauen, ähnlich wie die stimulierende Wirkung
von seriösen und professionellen Massagen in Friseursalons
schon lange bekannt zu sein, wo mit Hilfe der „schwedischen
Massage“ (hier wird mit dem Handrücken gearbeitet)
Hals- und Nackenmassagen durchgeführt wurden. Diese
und andere Massagearten haben ihre Ursprünge im
frühen 20. Jahrhundert. Die Phallus-förmigen
batteriebetriebenen Zylinder kamen in den 50er Jahren
auf. Anscheinend wurden sie entwickelt, um sie als Penisersatz
in die Vagina einzuführen. Zunächst gab es
für die Geräte keine Gebrauchsanweisungen,
aber die Tatsache, dass sie zunächst nur in Sex-Shops
und Sex-Zeitschriften zu sehen waren, ließen keine
Zweifel bezüglich ihrer Anwendung offen.
Andere Arten traten in den frühen
60er Jahren in Erscheinung. Sie wurden für die
Massage von Kopf, Gesicht und anderer „Punkte“
angepriesen. Aber auch diese wurden durch Anzeigen in
Sex-Magazinen zum Kauf angeboten, was natürlich
wieder Rückschlüsse auf den eigentlichen Verwendungszweck
ziehen ließ. Auch damals schon beschrieben Autoren
beliebter Sex-Ratgeber, dass der Gebrauch eines Vibrators
Frauen helfen kann, ihre Probleme einen Höhepunkt
zu erreichen zu lösen. Beispiele für die positive
Wirkung finden sich z.B. in Clarks „Enjoyment
of Love in Marriage“ [Die Freuden der Liebe in
der Ehe] (Clark, L. „The Enjoyment of Love in
Marriage“
[Die Freuden der Liebe in der Ehe], New York: Crest
Books, 1949) oder in Kellys „Sex Manual“
[Sex-Ratgeber] (Kelly, G.K., „Sex Manual“
[Sex-Ratgeber], 8.Auflage, August, Georgia: Southern
Medical Supply Co., 1959) und in Albert Ellis in „The
Art and Science of Love“ [Die Liebe als Kunst
und Wissenschaft] (Ellis, A. „The Art of Science
of Love“
[Die Liebe als Kunst und Wissenschaft], New York: Lyle
Stuart, 1960).
Bis zum April des Jahres 1966 wurde
der Gebrauch von Vibratoren nur in einschlägigen
Zeitschriften und in „Do-It-Yourself“ Sex-Ratgebern
erwähnt, wo dies als Novum betrachtet wurde. Gegen
Ende der 60er Jahre des 19. Jahrhunderts wurden Vibratoren
in Verbindung mit Sexualstudien gebracht, die von Masters
und Johnson durchgeführt und in ihrem Buch „Human
Sexual Response“ [Sexuelle Reaktionen des Menschen]
kommentiert wurden.
Ungefähr zur gleichen Zeit, im
Januar 1966, veröffentlichte Mary Jane Sherfey,
M.D., die sich auf Psychoanalyse spezialisiert hatte,
einen Artikel im „Journal of The American Psychoanalytical
Association“ [Zeitschrift des amerikanischen Verbands
der Psychoanalytiker] und später auch in ihrem
Buch „The Nature and Evolution of Female Sexuality“
[Natur und Evolution der weiblichen Sexualität]
(Sherfey, Mary J., M.D.: „The Nature and Evolution
of Female Sexuality“ [Natur und Evolution der
weiblichen Sexualität], New York: Random House,
1972, S. 110) mit folgendem Inhalt:
„In der klinischen Praxis sind
mir einige verheiratete und alleinstehende Frauen aufgefallen,
die einen elektrischen Vibrator nutzen. Bezüglich
der normalen Körperfunktionen erleben diese Frauen
eine gesunde und ungehemmte Sexualität –
und die Anzahl der erlebten Orgasmen ist eine Maßeinheit
für das weibliche Orgasmuspotenzial.“
In ihrer sehr einflussreichen Arbeit
empfahl die renommierte Sexualtherapeutin und Pädagogin
Helen Singer Kaplan, M.D., Ph.D., die damalige Vorsitzende
des „Sex Therapy and Education Program“
[Sexuelles Behandlungs- und Aufklärungsprogramm]
in der Payne Whitney Klinik im Krankenhaus von New York,
dass Vibratoren auch zur Behandlung von Orgasmusschwächen
bei Frauen geeignet sind.
In ihrem Buch, „The New Sex Therapy
: Active Treatment of Sexual Dysfunction “
[Die neue Sextherapie: Aktive Behandlung sexueller Funktionsstörungen]
(Kaplan, Helen S., The New Sex Therapy : Active Treatment
of Sexual Dysfunction “ [Die neue Sextherapie:
Aktive Behandlung sexueller Funktionsstörungen],
New York : Brunner/Mazel, 1974), erläutert Dr.
Kaplan verschiedene Möglichkeiten, Vibratoren als
Hilfsmittel zu nutzen, um Orgasmusstörungen zu
behandeln. In einer Variante empfiehlt sie eine Kombination
aus Penetration mit einem Mann und klitoraler Stimulation
durch einen Vibrator, denn „einige Frauen, die
nur schwer einen Orgasmus bekommen, können zum
Höhepunkt kommen, wenn sie beim Geschlechtsakt
mit einem Vibrator stimuliert werden.“ (S. 407).
Weiterhin empfiehlt sie Frauen, die noch nie einen Höhepunkt
hatten
(primäre absolute Orgasmusstörung) und die
mit Selbstbefriedigung auch wenig zufriedenstellende
Erfolge erzielen konnten, durch einen Vibrator das Orgasmus-Potenzial
zu erhöhen. „Der Vibrator liefert die stärkste
und intensivste Stimulation.“ (S. 388)
DIE UNTERSUCHUNG
Das Hauptanliegen dieser Universitätsstudien ist,
die Effektivität von drei Vibratoren auf folgende
Eigenschaften zu testen:
- wie schnell der Vibrator einer Frau zum Orgasmus
verhelfen kann
- die allgemeine Zufriedenheit bezüglich der
Form und der Ästhetik der Artikel während
des Gebrauchs.
Die drei, für die Studie zu vergleichenden
Vibratoren waren:
- Magnetspulen-betriebener Prelude III
- Motorbetriebener Hitachi Magic Wand [Zauberstab]
und
- ein Schwingkopf, der Eroscillator®
Der Schwingkopf ist eine Innovation,
die speziell zur Stimulation des klitoralen Schafts
und dem Gewebe rund um den Venushügel entwickelt
wurde. Das einzig existierende Gerät dieser Art
ist der Eroscillator®. Streng genommen ist der Eroscillator®
kein Vibrator, da die Stimulation aus der “schwingenden”
Bewegung der verschiedenen Aufsätze resultiert
(ein 7,5 cm Finger-ähnlicher Kopf, ein rebenförmiger
Aufsatz mit 2,5 cm Durchmesser und einem Aufsatz mit
2,5 cm Durchmesser). Im Gegensatz zu anderen Vibratoren,
bewegt er sich seitwärts, mit konstanten 3600 Bewegungen
pro Minute. Die Studie wurde an 30 Frauen, die sich
freiwillig zur Verfügung stellten, vorgenommen.
Alle von ihnen waren bereits älter
als 21 Jahre. Sie selbst testeten das Gerät bei
sich daheim und alle Befragungen wurden durch weibliche
Wissenschaftlerinnen durchgeführt, die alle Informationen
selbstverständlich diskret behandelten. Alle Datenerhebungen
beruhten auf eigenen Aussagen der Probandinnen, denn
die erfolgreiche Verwendung und der Grad der Befriedigung,
der mit diesen Vibratoren in unterschiedlichen Situationen
erzielt wurde, ist stets subjektiver Natur.
DIE ERGEBNISSE
Die dreißig (30) Probandinnen waren 24 bis 47
Jahre alt. Die meisten von ihnen (24 von 30) waren verheiratet
oder lebten allein, aber waren sexuell aktiv. Über
zwei Fünftel von ihnen hatte einen Highschool-Abschluss
oder studierten. Zusätzliche 40% hatten einen ersten
Hochschulabschluss und die übrigen 5 hatten ein
weiterführendes Universitätsstudium absolviert.
Zwei Drittel waren weiß, ein Viertel schwarz und
2 von ihnen waren Lateinamerikanerinnen.
Insgesamt gab es 252 abgeschlossene Untersuchungen,
bei denen die Frauen nur einen Vibrator während
eines Test verwendeten. (Zusätzlich gab es auch
110 Versuche, wo alle 3 Vibratoren gleichzeitig verwendet
wurden, damit der Vergleich leichter fiel. Hierüber
wird in dieser Abhandlung später noch berichtet.)
Etwas mehr als die Hälfte der Versuche (52%) wurden
zusammen mit den Partnern gemacht, während 120
allein durchgeführt wurden. Zwei Drittel der Frauen
waren bereits in einer erotischen Stimmung, entweder
allein oder mit Partner, bevor sie die Vibratoren nutzten.
DIE ZEITDAUER
BIS ZUM ORGASMUS
In den meisten Fällen (83%) erreichten die Frauen
einen Orgasmus, nachdem sie sich mit dem Vibrator stimulierten.
Der zeitliche Umfang bewegte sich hierbei von „20
Sekunden“ bis zu einem Maximum von einer Stunde.
Beim Vergleich der Effizienz der verschiedenen Geräte
ließ sich feststellen, dass die Frauen eher mit
dem Eroscillator® als mit anderen Geräten zum
Höhepunkt kamen.
STÄRKE
DER ORGASMEN
Die Frauen wurden gebeten, die Intensität der Orgasmen
während jeder Versuchsreihe zu bestimmen. Die Skala
reichte von 1 bis 10, wobei 10 die höchste Einschätzung
war. Die Ergebnisse wurden dann in niedrige (1-4), durchschnittliche
(5-7) und starke (8-10) Orgasmen eingeteilt. Auf dieser
Skala bewerteten 50% der Frauen ihre Orgasmen als stark,
während 13% sie als niedrig einstuften. Der Eroscillator®
war das Produkt, welches den Frauen am häufigsten
zum stärksten Orgasmus verhalf.
Tabelle 1: Orgasmus-Intensität durch die
Produkte
| Intensität |
Prelude |
Wand |
Eroscillator® |
| niedrig 1-4 |
5% |
34% |
4% |
| durchschnittlich 5-6 |
43% |
35% |
33% |
| stark 8-10 |
52% |
31% |
63% |
| Anzahl |
58 |
62 |
89 |
MULTIPLE ORGASMEN
In 56 Tests berichteten die Frauen von verschiedenen
und ausgeprägten multiplen Orgasmen während
eines Tests, bei dem sie die Vibratoren nutzten. Die
Anzahl reichte von nur 2 bis hin zu 7 multiplen Orgasmen.
3 multiple Orgasmen waren der Durchschnitt bei der Mehrheit
der Tests, in denen multiple Orgasmen auftraten. Der
Gebrauch des Eroscillator® verursachte die meisten
multiplen Orgasmen.
SUBJEKTIVE
VERGLEICHE DER PRODUKTE
Seitdem die Verwendung von Vibratoren zu einem Teil
der therapeutischen Heilung von Patienten empfohlen
wird, wurden die Zweifel bezüglich der technischen
und mechanischen Natur der Vibratoren minimiert. Da
jedoch die Abneigung und das Unbehagen gegenüber
dem Gebrauch von Vibratoren unseres Wissens nach nicht
erforscht worden sind, war es wichtig, in Erfahrung
zu bringen, welche der Hauptarten von Vibratoren am
meisten von den Patientinnen genutzt wird und demzufolge
am wirksamsten bei der Behandlung von therapeutischen
Problemen ist.
Die Frauen wurden außerdem aufgefordert
nach jeder Anwendung einen Fragebogen mit 6 Punkten
auszufüllen, wo sie subjektiv beantworten sollten,
welcher der Vibratoren diesen Punkt am besten erfüllte.
Die Ergebnisse sind in Tabelle 2 dargestellt:
Tabelle 2: Vergleich der Instrumente
(Prozentualer Anteil, der sich für den jeweiligen
Vibrator in der jeweiligen Kategorie entschied)
| |
Prelude |
Wand |
Eroscillator® |
| 1."der natürlichste
in seiner Form und Verwendung" |
7% |
16% |
76% |
| 2."der stimulierendste" |
14% |
20% |
66% |
| 3."welchen haben sie letztendlich
verwendet, um zum Höhepunkt zu kommen" |
17% |
19% |
53% |
| 4."welcher ließ ihre
Hände am wenigsten ermüden" |
9% |
15% |
76% |
| 5."der leiseste" |
29% |
11% |
60% |
| 6."welcher war am sanftesten
zu ihrer Vagina" |
11% |
10% |
79% |
Das überragende positive Ergebnis auf diese Fragen
lieferte der Eroscillator®. Das liegt sicherlich
daran, dass er ursprünglich entwickelt wurde, speziell
an den Partien zwischen Klitoris und Venushügel
zu stimulieren. Dieses wird auch während der Befragungen
durch die weiblichen Interviewerinnen deutlich. Diese
wurden durchgeführt, nachdem alle Versuchsreihen
abgeschlossen waren.
Auf die Frage: „Wenn Sie alles
berücksichtigen, welches Gerät haben Sie dann
während dieser Zeit bevorzugt verwendet?“,
antworteten 22 von 30 Frauen (73%) mit dem Eroscillator®.
Beim Finden der Ursachen für den favorisierten
Gebrauch haben die 58 Befragten die positiven Eigenschaften
bezüglich der großen Vielfalt an Möglichkeiten
mit dem Eroscillator® erwähnt. Die Antworten
können allgemein in zwei Kategorien eingeteilt
werden: einerseits die positiven Kommentare zu Form,
Handhabe und technischen Eigenschaften und andererseits
die Stimulationsfunktionen.
ERÖRTERUNG
Wenn der einzige Zweck eines Vibrators darin läge,
einer Frau zum Höhepunkt zu verhelfen, dann würden
wir nach unseren Untersuchungen schlussfolgern, dass
alle 3 Modelle diese Aufgabe erfüllen. Allerdings
fanden wir heraus, dass für die Verwendung des
Vibrators und die Zufriedenheit mit dem Ergebnis von
dessen Gebrauch andere Faktoren ebenfalls eine Rolle
spielen. Die Handhabung, die physischen Eigenschaften,
die Größe, die Form und die Qualität
der Stimulation haben alle Einfluss auf die wahrgenommene
Zufriedenheit mit der Orgasmusreaktion und das Verlangen,
so lange damit weiter zu machen, bis der Höhepunkt
erreicht wird. Da es sich bei der Wahrnehmung der Reaktion
um einen wichtigen Bestandteil der Behandlung von sexuellen
Funktionsstörungen handelt, ist es besser, die
Patientin auch auf die negativen Eigenschaften einiger
Vibratoren auf dem Markt hinzuweisen, als nur vorzuschlagen,
dass sie einen für die empfohlenen Übungen
kaufen soll.
LITERATURNACHWEIS
1. Clark, L.: “The Enjoyment of Love in Marriage”
[Die Freuden der Liebe in der Ehe], New York: Crest
Books, 1949
2. Kelly, G.K., “Sex Manual” [Sex-Ratgeber],
8. Auflage, August, Georgia: Southern Medical Supply
Company., 1959
3. Ellis, A., “The Art and Science of Love”
[Die Liebe als Kunst und Wissenschaft], New York, Lyle
Stuart, 1960
4. Sherfey, Mary J., M.D. “The Nature and Evolution
of Female Sexuality” [Natur und Evolution der
weiblichen Sexualität] New York: Random House,
1972, p 110
5. Kaplan, Helen S., “The New Sex Therapy: Active
Treatment of Sexual Dysfunction“ [Die neue Sextherapie:
Aktive Behandlung sexueller Funktionsstörungen],
New York: Brunner/Mazel, 1974
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